Heilung durch Meditation

Heilung durch Meditation

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Meditation heilt Körper und Geist. Die klassische Vipassana-Meditation und Abwandlungen davon werden inzwischen sogar klinisch angewandt, denn es hat sich bis in normale Krankenhäuser herumgesprochen, dass sie eine wertvolle Unterstützung im Heilungsprozess sind. Warum das so ist? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns auf die Spur der Ursachen von Krankheiten machen. Wir hören von Stress, falscher Ernährung und ungesunder Lebensweise, die krank machen. Von psychosomatischen Krankheiten, von genetischer Vorbelastung. Wir wissen auch: je älter wir werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass unglücklich ausgegangene Zellteilungen unser Immunsystem belasten.

Faktor Stress – Was ist Stress und wie verursacht er Krankheiten?

Stress passiert einfach. Wir leben nicht isoliert und sind deshalb leicht Stressoren ausgesetzt. Das ist normal und wir sind auch eigentlich bestens darauf vorbereitet, gesund und munter auf sie zu reagieren. Stress im negativen Sinne beginnt woanders.
Um das zu verstehen ist es hilfreich, etwas in die Biologie einzutauchen: Bei nicht gewöhnlichen Ereignissen oder Zuständen schüttet der Körper Stresshormone aus. Das sind biochemische Botenstoffe, die dafür sorgen, dass umgehend Energiereserven freigesetzt werden, so dass wir kämpfen oder flüchten können, um danach wieder friedlich unseren Alltag zu leben, bis wieder einmal Gefahr im Verzug ist. Eine sich normal vollziehende Stressreaktion liest sich wie ein Krimi: Es sind alle möglichen Organe unseres Körpers, deren Funktionen verstärkt oder unterdrückt werden, betroffen. Nach solch einer Reaktion ist der Körper eigentlich darauf programmiert, wieder den ursprünglichen Zustand aller beteiligten Organe herzustellen. Aber das braucht natürlich seine Zeit.

Eine Stressreaktion dient also eigentlich der Lebenserhaltung: Eben dem Ausweichen vor einem Säbelzahntiger. Und wenn ein Mensch so lebt, wie ursprünglich gedacht, hat sein Organismus genug Zeit, sich nach einer Stresssituation zu erholen und den Normalzustand wieder herzustellen. Einem Säbelzahntiger begegnet man ja nicht jeden Tag. Oder doch? Was sind denn die Säbelzahntiger, die uns heute auflauern? Und sind es vielleicht mehr und größere als noch zu Stein-Zeiten? Was sind für uns heute existenzbedrohliche Situationen?

Als Säbelzahntiger empfunden werden kann der Chef oder die missgünstige Kollegin, weil sie indirekt unsere Existenz bedrohen. Ohne Job – und der steht permanent auf dem Spiel – könnten wir denken, kann die Miete nicht mehr gezahlt werden und dann das Auto und bald geht’s unter die Brücke. Auch die Kindergärtnerin, die einfach kein Verständnis dafür hat, dass man wieder zu spät ist oder das Kind den Turnbeutel wieder nicht dabei hatte, kann uns bedrohlich erscheinen. Denn was machen wir, wenn sie das Kind nicht mehr betreut? Ach ja. Wir ziehen unter die Brücke . . . Auch eine harmlose Uhr und das eigentlich nützliche Auto können zusammen richtig das Adrenalin steigen lassen. Ganz zu schweigen von diversen Hiobsbotschaften über die uns die Medien freundlicherweise ununterbrochen informieren.
Wenn wir als moderne Menschen, möglichst noch wohnhaft in Großstädten und mit einem Job ja eigentlich existenz-gesichert überlegen, was wir als stressige Momente erleben, wird schnell klar: Stress ist nicht mehr ein außergewöhnliches Ereignis, sondern längst Teil unseres Alltags. Die Zeit, die unser Organismus zum Abbau der Stresshormone benötigt, hat er nicht mehr, bis wir uns dem nächsten Stressmoment aussetzen. Wir befinden uns dadurch im Dauerstress. Die körperlichen Folgen sind vielfältig, die psychischen ebenso – für uns und unsere Umgebung.

Tests haben ergeben, dass unser Immunsystem durch Dauerstress geschwächt wird. Deshalb fangen wir uns schneller grippale Infekte ein, erkranken aber auch leichter an schweren Krankheiten wie Krebs. Mit diesem Phänomen setzt sich die Psychoneuroimmunologie, PNI, seit einigen Jahren mit Forschungen auseinander. Je nach Prädisposition entstehen durch ein Zuviel an Stress Herzkrankheiten, und ernsthafte Darm-Erkrankungen. Mitunter merken wir, wenn wir erschöpft sind und möchten uns entspannen. Dazu werden häufig Drogen wie Alkohol, Zigaretten oder Tabletten benutzt, die ihrerseits dazu beitragen, dass wir immer weniger dazu in der Lage sind, aus krank-machenden Situationen auszubrechen.
Aber: Wieso leiden überhaupt so viele Menschen unter diesen Mechanismen? Warum nehmen wir Unsicherheit am Arbeitsplatz, Verkehrschaos, Lärm, zwischenmenschliche Probleme so wahr wie unsere Vorfahren den Konflikt mit einem Säbelzahntiger?
Diese Frage muss sich jeder Mensch natürlich alleine stellen. Um sie beantworten zu können, muss er erst die Ist-Situation analysieren. Was sind meine Dauer-Stresssituationen? Sind es Situationen, an denen ich nichts verändern kann? Und was bedeutet es eigentlich, wenn ich nichts machen kann?
Wie wahrscheinlich ist es, dass ich einsam und alleine, bösen Mitmenschen und Flöhen und Wind und Wetter ausgesetzt, unter der Brücke lande? Und wäre das wirklich mein Ende?
Im Moment inne zu halten und das eigene Leben, ja, sich selber, mit einer gewissen Distanziertheit von Außen zu betrachten, hilft enorm dabei, sich aus dem krank machenden Stress-Kreislauf aus zu klinken und ist gemeinhin nicht eine natürliche Stärke derer, die unter Stress leiden. Genau hier setzt Meditation an: Einfache Atemübungen, das Sich-kennenlernen, das Sich-beobachten innerhalb der Meditationszeit übertragen sich auf Dauer auch auf Alltagssituationen. Immer häufiger schafft man es, eine Situation ganz bewusst zu erleben und mit der Zeit kann man Herr werden über Mechanismen, denen man vorher ausgeliefert zu sein schien.

Faktor Ernährung – Achtsamkeit hilft, sich richtig zu ernähren

Viele Zipperlein aber auch ernsthafte Krankheiten hängen stark mit der Ernährung des Menschen zusammen. Und dabei geht es nicht nur darum, was wir essen, sondern auch um die Menge. Übergewicht belastet uns in vielerlei Hinsicht. Körperlich durch eine zu hohe Belastung des Bewegungsapparates und des Herz-Kreislauf-Systems und auch seelisch.
Wer regelmäßig meditiert, schafft es, wacher und bewusster alltägliche Situationen wahrzunehmen. Das bezieht den Aspekt der Ernährung natürlich mit ein. Plötzlich halte ich inne, weil ich merke, dass ich eigentlich nur Durst habe und verstehe gar nicht, warum ich gleichzeitig zum Joghurtbecher gegriffen habe. Oder ich merke eines morgens, dass ich meinen Kaffee aus reiner Gewohnheit trinke, auch wenn ich mal gar keine Lust darauf habe. Und wie oft habe ich Verlangen nach Süssigkeiten aus einem emotionalen Hunger heraus? Wie vielen Süchten unterliege ich und was haben sie für Auswirkungen auf meinem Körper? Kann ich wiederum locker damit umgehen, hin und wieder Genussmittel zu mir zu nehmen?
Was uns, meiner Meinung nach, mehr dabei hilft, gesund zu essen, als jede Ernährungsfibel, ist, im Moment zu leben und den eigenen Körper wahr zu nehmen. Denn die Folge einer gesteigerten Wahrnehmung ist das bewusste Erleben von Situationen und das bessere Einordnen derselben.

Stiefkind Seele

Wahrscheinlich liegt die Ursache dafür, dass wir irgendwann angefangen haben, unter Stress zu leiden oder an einem ungesunden Lebensstil zu erkranken in Ablenkung. Es ist so viel leichter, sich auf Dinge wie schulisches Fortkommen, Akzeptanz im Umfeld oder materielle Belange zu konzentrieren als in der ganzen Emotions- und Informationsflut eines Lebens zu erforschen, was eigentlich für unsere Seele zählt, was wir eigentlich gerade brauchen oder möchten, wie wir uns fühlen.

Früh lernen wir, durch kindliche Imitation, zu tun, was in unserer Gesellschaft gemeinhin getan wird. Irgendwann fangen wir dann an, zu leiden, wenn wir einmal ohne diese Elemente alleine mit uns sind. Langeweile droht, uns zu ersticken. Und wir stellen fest, dass wir uns besser fühlen, wenn wir lesen, spielen, fernsehen, feiern oder im Internet surfen. Gleichermaßen merken wir irgendwann, dass es das tägliche Leben weniger kompliziert oder schwer gestaltet, wenn wir seelische Belange den gängigen gesellschaftlichen Idealen unterordnen- Jungs versuchen, nicht zu weinen und Mädchen, weniger wild zu sein – um, zugegebenermaßen, recht betagte und plakative Beispiele anzuführen.
Und wer hat nicht schon einmal darauf verzichtet, eine Idee umzusetzen oder zu versuchen einen Traum Wirklichkeit werden zu lassen aus Angst vor der Reaktion des sozialen Umfeldes?
Nun gibt es Menschen, die seelisch robust scheinen und wunderbar mit gesellschaftlichen Normen und Verhaltensweisen umgehen können, ohne sich zu verlieren, die Ablenkungen genießen können, ohne den Kontakt zur realen Welt zu verlieren oder süchtig zu werden. Wer aber nicht so robust ist, riskiert, dass er sich vom Leben ablenken lässt, anstatt es zu leben und seine Seele so behandelt, wie es lediglich richtig erscheint. Er hängt vielleicht einer Religion an, ohne Gott jemals gespürt zu haben. Oder er weigert sich, einer Empfindung nachzugehen, weil er sie nicht mit seinen logischen Fähigkeiten greifen kann. Er lenkt sich ab, um seine Misere nicht zu spüren. Oder lässt sich gar nicht erst auf profane Aspekte des Lebens ein, aus Angst vor einer Misere. Er passt sich an die Gesellschaft an oder er wendet sich radikal von ihr ab. Beide Extreme verleugnen normalerweise die eigene Seele und machen sie krank.
Wie heilsam ist es, das IST in Ruhe und fragend zu finden und zu betrachten und zu erkennen, was die eigene Wahrheit ist. Und fähig zu werden, mit sich selber in Einklang zu leben und die eigene Seele zu lieben und zu nähren, so dass man innerlich heil wird und mit der Zeit beginnt, auch den Nächsten zu lieben und zu achten wie sich selbst. Und damit nicht nur sich selber zu heilen, sondern die Gesellschaft der Menschen gleich mit.

Literatur:
Neben den im Artikel erwähnten Links zum Thema ‚Stress und Krankheit‘ kann ich das Buch ‚Gesund durch Meditation‘ von Jon Kabat-Zinn empfehlen. Es gibt einen gut verständlichen Überblick über die Problematik und beschreibt, wie der Autor durch Meditation spektakuläre Heilungserfolge in seiner Stress-Klinik beobachten konnte.
Sehr zu empfehlende Studien zum Thema ‚Ernährung und Gesundheit‘ hat T. Colin Campbell in seinem Buch ‚The China Study‘ beschrieben und ausgewertet.

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