Essen: Weniger ist Mehr

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Die meisten von uns fangen erst an, über ihre Lebensweise und Ernährung nachzudenken, wenn sich ein Mangel unübersehbar im Leben eingenistet hat. Er äußert sich vielleicht in Krankheit, Unbehagen, der Empfindung von Konsum- und Gruppenzwang und, und, und …

Mehr Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit sind dabei oft schon mit einfachsten Mitteln und kostengünstig zu haben. Zum Beispiel durch eine konsequente Umstellung der Ernährung.
– mehr Energie, weniger Wohlstandsträgheit,
– mehr Gesundheit, weniger Zivilisationskrankheiten,
– mehr Lebenszeit, weniger negative Alterserscheinungen,
– mehr Ressourcen für weniger Hunger und Armut in der Welt.

Große und kleine Entscheidungen
Bei mir gab es mehrere Etappen auf meinem Weg, den unnötigen Zipperlein den Rücken zu kehren und mich besser zu fühlen. Zuerst war da der Wunsch, vegetarisch zu leben. Und zwar erst mal nur aus ethischen Gründen.
Später kam ein Buch dazu – „Willst Du gesund sein? Vergiss den Kochtopf!“ von Helmut Wandmaker. Die dort beschriebenen Auswirkungen einer Frischkost-Ernährung auf Geist und Körper haben mich angestiftet, meine Ernährung umzustellen. Meine damaligen Lebensumstände hatten mich auch zum Handeln gezwungen. Zum einen hatte ich meine kugelrunde kleine Oma vor Augen – ich in ein paar Jahren. Dazu kamen Verspannungen und Migräne, verursacht durch mangelnde Bewegung. Zu diesem Zeitpunkt war meine Ernährung zwar schon fleisch- und wurstlos, bestand aber zu 90% aus Backwaren, weil ich zu faul war, abends nach der Arbeit zu kochen.

Also, weg mit Weißmehl, Zucker und Dosenfutter. – Was bleibt? Sehr viel, man muss es nur finden.
Um erstmal nichts falsch zu machen, gab es bei mir von jetzt auf gleich nur noch Wasser, Tee, Salat, Gemüse (mit Ausnahme von Stärkelieferanten wie Kartoffeln, Reis und Mais) und etwas Obst mit wenig Fruchtzucker. Auf Milchprodukte zu verzichten, fiel mir nicht schwer, die mochte ich nie besonders gerne und sie sind ja auch bekanntlich als Calcium- und Eiweißquelle gut durch alternative Lebensmittel zu ersetzen.

Diese radikale Umstellung war zuerst nicht leicht, fehlten doch jetzt alle Stoffe mit Suchtpotential! Und was das bedeutet, kann jeder nachvollziehen, der schon einmal erfolgreich das Rauchen aufgegeben hat … Aber die ersten Erfolge meiner eisern eingehaltenen neuen Essgewohnheiten stellten sich sehr schnell ein. Deutlich sichtbar war vor allem der Gewichtsverlust, der auch meine Mitmenschen veranlasste, mich mit Komplimenten zu unterstützen. Hier nochmal ein grosses Danke! Nach einem Jahr waren auch meine körperlichen Beschwerden komplett weg.

Als einziges Problem erwies sich eigentlich die fehlende Akzeptanz mancher Mitmenschen. Kaum jemand, der mit Interesse oder wenigstens neutral reagierte, wenn ich ein Stück Kuchen, Schokolade oder eine Einladung zum Essen ausschlagenwollte mit Hinweis auf meine sehr schlichten Essgewohnheiten. Obwohl jeder, der mich länger kannte, schnell zugeben musste, dass meine radikale Nahrungsumstellung mir auf ganzer Linie gut getan hatte.

Lebensmittel, und was die Nahrungsmittelindustrie daraus macht

Im Laufe der Zeit habe ich mich weiter mir unserer Nahrung und auch der Nahrungsmittelindustrie auseinander gesetzt. Ich interessierte mich für den Glykämischen Index und Zusatzstoffe in industriell hergestellten Lebensmitteln. Besonders erschrocken hat mich die Tatsache, das die Zuckerindustrie offensichtlich von der EU gesponsert wird und somit ein vitales Interesse daran hat, den Zuckerabsatz anzuschieben. Es gibt tatsächlich kaum ein verpacktes Lebensmittel ohne Glucose, Maltose, Invertzucker, Zuckerrübensirup oder sonst einer Zuckerquelle. Man muss diese meist versteckte Information auf der Verpackung suchen und, hoffentlich, im Kleingedruckten finden. Gut schon, das überhaupt eine Kennzeichnungspflicht besteht.

Ich habe inzwischen keine gesundheitlichen Probleme mehr, auch wenn ich hier und da wieder Lust auf Backwaren bekomme. Dann stehe ich eben in der Küche und backe Brot, solange, bis ich es leid bin – aus Vollkorn-Biomehl, garantiert ohne Zucker und verdächtige Zusatzstoffe, die in der industriellen Herstellung wegen der Haltbarkeit gesetzlich vorgeschrieben sind. Meine Lebensmittel kaufe ich auf dem Wochenmarkt – direkt vom Bauer aus der Gegend, frisch auf den Tisch. Oder Bioprodukte, die in guter Qualität inzwischen in fast jedem Supermarkt zu haben sind. Aber trotzdem, Zucker bleibt Zucker, auch wenn es Bio-Rohrzucker ist oder Traubenzucker in Bio-Trauben.

Und ich bin im Laufe der Jahre wesentlich anspruchsvoller geworden, auch was den Geschmack von Lebensmitteln angeht. Eine Treibhaustomate aus dem Supermarkt oder die Fertigsuppe schaffen es noch nicht mal durch die erste Auswahlrunde – Wer bewusst isst, wird automatisch zum Gourmet.

So habe ich im Laufe der Jahre einen Ernährungsstil gefunden, der meinen Körper gesund hält ohne dass ich mich in meinen Genüssen einschränken müsste. Kochen ist für mich kein Freizeitspass, und die gewonnene Zeit und die saubere Küche sind ein schöner Nebeneffekt meiner Reduktion auf das Wesentliche in meiner Nahrungsmittelwahl. Zugegeben: ich muss nicht auf eine Familie Rücksicht nehmen, bin auch nicht auf deren Akzeptanz angewiesen.

In Sachen Nahrungsmittel ein Minimalist – Was ändert sich noch?

Die Interessen verschieben sich. Jetzt weiß ich aus eigener Erfahrung, das weniger mehr ist. Mehr Lebenszeit in besserer Gesundheit, mehr Zeit und Mittel für die schöneren Dinge im Leben. Die nächste Etappe auf meinem Weg zu mehr Spiritualität ist eine dreiwöchige Fastenzeit. Fasten ist genauso leicht oder schwer wie der Verzicht auf Schnitzel und Softeis. Mit einer einwöchigen Nulldiät hatte ich meine Ernährungsumstellung damals eingeleitet, ich weiß also, was auf mich zukommt. Die Begleitunpässlichkeiten werden weniger stark sein, da ich ja diesmal weniger zu entgiften habe. Das Gefühl nach dem dritten Tag war damals richtig gut, das will ich mir jetzt öfter gönnen. Und falls ich es nicht durchhalte? So What? Ich muss ja nicht – ich darf.

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