Einführung in Zazen Meditation

Einführung in Zazen

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Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten Zazen zu lernen, die Methode ist überall etwa gleich. Sie ist es aber nicht komplett. Welche Methode für einen die richtige ist, steht nicht fest. Die mir bekannt sind, sind aufgebaut in drei Übungen, die alle in einer Meditation verwirklicht werden – aber, zumindest die ersten Monate oder Jahre, nacheinander und nicht zeitgleich.

Es sind dies die richtige Übung der Körperhaltung, die richtige Übung des Atmens und die richtige Übung der Geistesschulung.

Bei der richtigen Körperhaltung setzt man sich im Lotussitz oder im Halblotussitz oder im burmesischen Sitz auf ein Kissen. Es ist günstig eine Decke oder etwas vergleichbares unter die Beine zu legen, wegen der Wärme und wegen der Knöchel. Es gibt bei vielen Anbietern eine größere Auswahl an Sitzunterlagen (bspw. ein Zabuton).

Das Gesäß sitzt mit den Steißhöckern vorne auf dem Rand des Kissens. Die Knie liegen möglichst komplett auf der Sitzunterlage auf.

Das Becken bekommt durch diese Haltung eine Neigung nach vorne, wodurch das Becken gerade bis leicht nach vorne gehalten wird.

Man sitzt nun mit dem Rumpf gerade aufrecht. Jeder Mensch ist ein bißchen anders gebaut, deswegen muß man in der Meditation etwas herumprobieren. Die Haltung der Wirbelsäule kann von außen leicht s-förmig aussehen. Wichtig ist erst einmal, aus der Perspektive des Sitzenden, daß, wenn man an sich herunterguckt, man weder nach vorne noch nach hinten oder zur Seite geneigt ist.

Die Schultern fallen locker an den Seiten herunter, je nachdem muß man die Schultern ein ganz klein bißchen nach vorne wölben.

Der Nacken ist aus der Innenperspektive leicht durchgestreckt, das Kinn wird dabei leicht zurückgenommen.

Beim Rinzai guckt man in die Raummitte auf den Boden, etwa ein bis zwei Meter vor sich, beim Soto schaut man zur Wand mit nur leicht gesenktem Blick. Bei beiden Schulen muß man ein bißchen ausprobieren, welche Blickneigung für die Augen entspannend ist.

Die Wand beim Soto bzw. der Boden beim Rinzai sollte nicht blenden und sollte keine zu verwirrenden Muster besitzen. Eine glatte und sanfte Farbe ist am besten.

Die Augen bleiben beim Zen normal geöffnet, nicht zu weit offen, nicht zu geschlossen.

Die Hände werden je nach Landestradition etwas anders gehalten. Was ich kenne und was in der Regel bevorzugt wird, ist die japanische Meditationshaltung, bei der die linke Hand wie eine Schale in die rechte gegeben wird. Eine leichte Spannung liegt in den Händen. Die Daumen zeigen waagerecht aufeinander, die Spitzen der Daumen berühren einander leicht.

Zur Spannung des Körpers sei allgemein gesagt, daß neben der Spannung in den Händen, der Rücken mit Notwendigkeit eine Spannung haben muß und das Spannungen beispielsweise in den Gliedmaßen ab und zu auftreten können. Man muß selber beobachten, wann die Spannung zu viel wird. Manchmal ist es gut Spannung aufzubauen, manchmal nicht. Es geht letztendlich um das richtige Spannungsverhältnis.

Das ist etwa die richtige Körperhaltung. Es geht nach ein paar Monaten oder Jahren unter Umständen nur noch um die Korrektur der Haltung an wenigen Stellen um wenige Millimeter.

Man sollte die richtige Körperhaltung erst einmal einigermaßen durch viele Meditationen etablieren. Dennoch kann man, sobald die richtige Körperhaltung eingenommen worden ist, direkt zur richtigen Atmung übergehen.

Es ist problemlos schaffbar, beim ersten Mal sitzen, die richtige Körperhaltung anzunehmen. Dann nimmt man den Atem hinzu und schon verliert man unter Umständen wieder die richtige Körperhaltung. Bevor man sich dann um die Atmung kümmert, rückt man sich erst einmal wieder in der Körperhaltung zurecht. Hat man beides etabliert (Körperhaltung und Atmung) geht man zur richtigen Geistesschulung/-haltung über.

Ich muß an dieser Stelle gestehen, daß ich selber diese klassische Reihenfolge etwas anders ausgeführt habe: Ich habe erst die Körperhaltung etabliert, dann die Geistesschulung vorgenommen und dann über diese beiden Haltungen, den Atem richtig ausgeführt.

Fest steht auf jeden Fall, daß erst die Körperhaltung gelernt sein will.

Bleiben wir jetzt in der rechten Atmung:

In der Regel werden Tips gegeben, beispielsweise daß man beim Atmen bis zehn zählen soll. „Eins, Zwei, Drei…“. Manche zählen auch beim Aus- und Einatmen ‚Eins und Zwei und Drei und…‘ im Wechsel. Es muß aber irgendwann der Tag kommen, wo man eben nicht mehr zählt. Wenn man den Atem freilaufen läßt, kann er verschiedene Charakterzüge annehmen. Auf Dauer findet man heraus, warum man so atmet, wie man atmet. Es ist dann die Atmung desjenigen, der so geworden ist, wie er jetzt ist.

Genau diese Atmung gilt es zu normalisieren und natürlicher werden zu lassen. Gleichzeitig hat man manchmal aber auch durch die Stimmungen, welche durch den Tag hervorgerufen wurden, eine davon abweichende Atmung, die nur tagesrelevant ist.

Die Zenmeditation kann die Atmung insgesamt verändern. So kann es sein, daß man so eine Art ‚Arbeitsatmung‘ bekommt: Die Atmung nimmt eine bestimmte Form an, welche nicht natürlich ist, aber vom gesamten Dasein oder vom Körper gefordert ist.

Kommen wir zur Geistesschulung.

Die Augen sind wie bereits gesagt, normal geöffnet. Man guckt jetzt zur Wand und versucht die leere Wand klar zu sehen. Wenn Gedanken, Gefühle oder Bilder auftauchen, läßt man diese in unterschiedlicher Weise durch sich hindurchziehen. Ziel ist es, daß diese im Lauf der Meditation wieder verschwinden. Die Phasen, die frei sind von Gedanken, Gefühlen und Bildern, sollten im Laufe der Monate und Jahre mehr werden.

Da dies hochgradig schwierig ist, möchte ich es nicht hier in die Einführung packen.

Dasselbe was für das Sehen gilt, gilt auch für das Hören. Das Hören soll klar sein. Jedes auftauchende Geräusch soll wahrgenommen, aber nicht bewertet oder weiterverfolgt werden. Das Problem beim Hören ist, daß wenn keine Geräusche zu hören sind, das Gehör im Gegensatz zum Sehen, gar nicht aktiv werden kann. Zum Einen kann man auf den eigenen Atem hören, zum Anderen kann man abwarten, was mit dem Gehör passiert. Es kann sein, daß im Laufe vieler Meditationen irgendwann, die Ohren und das Gehör aus der Innenperspektive gesehen, sich verändern. Dies geht aber nicht so schnell, wie das bei der Sehfähigkeit gehen kann.

Als dritte wichtige Wahrnehmung gilt die eigene Körperwahrnehmung, die ja bei der Körperhaltung bereits von mir durchgesprochen wurde. Ich will aber hier auf den ganzheitlichen Aspekt der Körperwahrnehmung hinaus.

Es geht an dieser Stelle nicht um eine Technik, sondern um insgesamt eine gute Wahrnehmung des eigenen Körpers.

Diese drei Wahrnehmungsvermögen, des Körper-Fühlens, des Hörens und des Sehens sind die Tore über die das Bewußtsein, seine Verbundenheit mit der Umwelt und dem Umfeld schulen kann.

Die internen, geistigen und psychischen Prozesse will ich hier nicht beschreiben, weil die Herangehensweise und auch die Inhalte und Strukturen individuell sein können. Ein sprachliches gemeinsames Verständnis darüber ist wahrscheinlich nicht hinreichend gegeben bzw. vermittelbar.

Fest steht – und dies ist unheimlich wichtig zu wissen – daß die Gedanken, Gefühle und Bilder bereits Innenwelt sind. Und das von außen über die Wahrnehmungen, vornehmlich des Sehens und des Hörens, die Innenwelt mit Eindrücken und Bewegendem gespeist wird.

Hier noch ein paar allgemeine Hinweise:

Die Raumluft sollte sauerstoffhaltig sein und leicht kühl.

Wie lange man pro Sitzung meditiert, ist jedem selbst überlassen, aber fünfzehn bis zwanzig Minuten pro Einheit sind auch von einem Anfänger erwartbar. Ab zwanzig Minuten täglich zeigt sich bei vielen schon nach ein paar Monaten eine Wirkung.

Das war jetzt also eine kleine Einführung in Zazen, also in die Sitzmeditation. Zen hat aber in vielerlei Hinsicht noch viel mehr zu bieten, weswegen ich jetzt auf ein paar Bücher zur Einführung verweisen möchte. Diese Bücher sind Klassiker bis heute:

Erstens: Robert Aitken „Zen als Lebenspraxis“ gibt in Zazen und auch in Zen allgemein eine gute und praktische Einführung – passend für Viele.

Zweitens: Taisen Deshimaru-Roshi „Za-Zen. Die Praxis des Zen“ eine knappe und präzise Einführung mit enormer Tiefe.

Drittens: Meister Dogen „Fukanzazengi(rufubon). Allgemeine Richtlinien für Zazen.“ ebenfalls eine sehr gute Einführung, diesmal mit enormem Alter (13. Jahrhundert). Ich habe den Text verfügbar in einem vierbändigen Werk, dem Shobogenzo. Wahrscheinlich kommt man nicht so einfach an diesen Text heran, ohne das Gesamtwerk beziehen zu müssen (bzw. zumindest die Einzelbände).

Die von mir genannten Einführungen, sind seit langer Zeit auf dem Markt und gelten deswegen als sehr gut erprobt. Das, was ich selber hier aufgeschrieben habe, gilt dazu als Ergänzung. Im Übrigen glaube ich, daß es wichtig ist, lieber direkt oder doch recht schnell bei einem Lehrer, vielleicht sogar einem Meister, zu sitzen. Die direkte Schulung von Mensch zu Mensch halte ich beim Zen für enorm wichtig.

 

 

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