Kirchturm und Himmel

Der neue alte Streit über Gotteslästerung

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Gotteslästerung – ein aktuelles und auch ein uraltes Thema. Ein Streitthema – nie ein objektives Thema. Lauter werden die Rufe nach dem Staat, dem es auferlegt werden soll, die Religonsfreiheit zu schützen und Blasphemie unter Strafe zu stellen bzw. das Blasphemieverbot auszuweiten. Ist das eine Lösung?

Im Strafgesetzbuch Deutschlands finden wir den § 166, der „Beschimpfung von Bekenntnissen, Relegionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen“ betrifft. So könnte man davon ausgehen, dass der Staat bereits Möglichkeiten zur Verfolgung hat. Doch schaut man sich den Gesetzestext genauer an, stellt man fest, dass § 166 lediglich die Störung des öffentlichen Friedens ahndet. Der öffentliche Frieden ist somit das einzige schützenswerte Rechtsgut; nicht die Religionen oder Gott.

Woraus folgte diese doch sehr zurückgenommene und nüchterne Haltung des modernen Rechtsstaates? Wir kennen Beispiele in der Geschichte, wo der Staat bereits regulierend auftrat. Bereits zu Zeiten Martin Luthers ist der Staat tätig geworden.

Der wohl bekannteste Gotteslästerer der Geschichte war Jesus von Nazareth. Bezogen auf das 2. Gebot folgte seine Hinrichtung, da er den Namen Gottes missbrauchte (Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht). An vielen Stellen des Alten Testamentes können wir dies nachlesen, zum Beispiel beim Propheten Amos oder im Buch der Sprüche.

Im Neuen Testament finden wir Belegtexte im Gleichnis zum Sabbat, zur Sündenvergebung und nicht zuletzt im Prozess Jesu vor dem Hohen Rat. Der Vorwurf (vgl. Joh): Du bist ein Mensch und machst dich selbst zu Gott!

Dürfen wir aus dem Verhalten Jesu ein Recht auf Gotteslästerung im jüdisch/christlichen Glauben ableiten? Es gibt Stimmen, die dies bejahen.

Bereits erwähnt, ist Gotteslästerung seit je her ein Streitthema. Jedoch ein Streitthema mit Potenzial: Der Streit lohnt sich – denn Gotteslästerung ist ein wichtiges – ein zentrales – Thema des Glaubens. Es tut der Gesellschaft und auch der Kirche gut, darüber nachzudenken. Auf diese Art die Heiligkeit Gottes im Streit zu erfahren. So hat die Auseinandersetzung nicht nur Destruktives.

Der Christusglaube kann sich also aufgrund der Historie gar nicht gegen den Verdacht der Gottslästerung schützen, auch nicht durch den Staat.

Und man kann das Thema natürlich noch von anderen Seiten betrachten. Ein Ansatz:

Wenn wir uns zu Jesus bekennen, müssen wir die Gotteslästerung in der Verteilung von Armut und Reichtum sowie in der Weltwirtschaft erkennen!

Gotteslästerung findet im praktischen Lebensvollzug statt. Gotteslästerer rufen uns vielleicht neu zum Glauben – zur Umkehr – auf.

Link zum § 166 StGB >> gesetze-im-internet.de

Bildnachweis: ©nora von pillepop

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